Schneckenplage

Unter anderem möchte ich Dir hier ein bisschen Wissenswertes, über die ersten (ungeplanten) Bewohner in einem neu eingerichteten Aquarium vermitteln.

 

Blasenschnecken (Physidae)

 

Meist freut man sich, bei der erst Entdeckung dieser kleinen Tierchen, die man sich höchstwahrscheinlich durch Pflanzen, die nicht aus dem kleinen Invitro Töpfchen kommen, eingeschleppt hat.


Die Freude vergeht aber oft genauso schnell wieder, wie sie gekommen ist, da man statt einer, plötzlich nach und nach, immer mehr  entdeckt.

Zudem glauben viele, die kleinen Kerlchen futtern einem die Pflanzen weg, hierauf komme ich aber gleich nochmal zurück.

 

Schnell kommt man zu dem Entschluss, man müsse dringend dagegen vor gehen, da eine "Schneckenplage" droht oder in den eigenen Augen bereits vorhanden ist.

 

Erste Anlaufstelle ist daher meist das nächste Aquaristik Geschäft, diese natürlich gleich eine Lösung, in Form eines anderen Lebewesens parat haben.

 

Doch genau da beginnt bereits das Dilemma.

 

Grundsätzlich ist es nie (wirklich, absolut NIE) eine gute Idee, Tiere gegen Tiere oder andere Probleme (z.B. Algen) in seinem Aquarium ein zu setzen, denn auch wenn sie ‚ihren Job‘ erledigt haben, bedeutet dies ab diesem Moment, dass sie Hungern müssen, ggf. sogar Verhungern oder unter komplett falschen Bedingungen gehalten werden.

 

Nur um mal einige gängige Beispiele zu nennen:

Oft werden "Schnecken fressende Schnecken" (Raubturmdeckelschnecken/Clea helena auch bekannt unter Anentome helena) vorgeschlagen.

Natürlich kann man diese, durchaus hübschen Schnecken halten, man sollte jedoch bedenken, dass sie absolut keine Rücksicht darauf nehmen, ob es nun die "unliebsame" Blasenschnecke oder doch die gewollte Rennschnecke/Tylomelania/Posthorn/... ist, die gerade auf ihrem Speiseplan steht, zudem ist irgendwann der Schnecken Vorrat aufgebraucht, weshalb man ihnen, als u.a. Aasfresser Tierische Nahrung in form von Frostfutter, Fisch oder Muschelfleisch oder auch lebende Rote Mückenlarven, Tubifex, zukommen lassen sollte.

 

Auch Kugelfische werden (leider!) oft angeboten/vorgeschlagen.
So putzig die kleinen runden Dinger mit den großen Glubschaugen auch sein mögen, Schnecken sind für sie tatsächlich Überlebens notwendig, da sie mit ihrem Schnabel die Häuser knacken.

Sind die Schnecken also aufgefuttert (was vermutlich relativ rasch der Fall sein wird), verhungern die Tiere schlimmstenfalls über kurz oder land, da ihr Schnabel, durch Lebend oder Flockenfutter nicht mehr richtig abgenutzt wird.
Zudem sollte man auch hier nicht vergessen, dass sie eigene Ansprüche an ihre Haltung haben, das neben dem Futter (Schnecken), dichter Bepflanzung, auch mindestens sechs Artgenossen, im besten Fall, im Artbecken vorhanden sein sollten, wird dabei leider viel zu oft übersehen.

 

Auch von Prachtschmerlen habe ich schon als Vorschlag gehört, wovon ich wirklich nur sehr stark abraten kann.
Diese Tiere werden 30cm(! +/-) groß und haben in Becken unter mindestens(!) 200cm Kante absolut nichts zu suchen.

Zudem sind auch dies Gruppentiere, die also mindestens zu 5. in einem ausreichend großen Becken, mit viel Strömung gehalten werden sollten.

 

Vorab kann ich Dich aber schon mal beruhigen, mit diesem kleinen Mitbewohner und seinen Kumpels, hast Du dir, wenn auch nicht ganz Freiwillig, einen sehr guten Indikator in dein Aquarium geholt.

Dass die kleinen Kerlchen anfangs scheinbar explodieren, liegt daran, dass, gerade in den ersten Wochen, Deine eingesetzten Pflanzen, sich manche erst an ihr Dasein Unterwasser (submers) gewöhnen müssen, sprich, sie wurden teilweise an Land (emers) gezüchtet.
Das hat zur Folge, dass sämtliche Pflanzenteile absterben (um sich neu zu bilden) und die Schnecken dadurch, sehr viel fressbares vor finden, was natürlich zu einer starken Fortpflanzung beiträgt, um das Überangebot an Futter zu nutzen (Müllabfuhr im Aquarium).

Unter anderem haben Blasenschnecken, auch nicht die Kraft, ein gesundes Pflanzenblatt zu fressen.

 

Ein weiterer Punkt, in späterer Folge ist, dass Du zu Minderwertig und/oder zu viel Fütterst, was natürlich den selben Effekt hat, wie oben erwähnt - je mehr Futter sie finden, desto mehr Blasenschnecken wird man vor finden.

Warum ich hier übrigens die Minderwertige Fütterung betone ist, dass dieses Futter zwar von Fischen gefressen wird, jedoch nicht oder nur zum Teil verwertet wird und somit, "hinten" genauso raus kommt wie es "vorne" hinein gekommen ist. 
Hierzu findest Du mehr auf Erste Fische.

 

Auch kannst Du an dem Verhalten deiner Schnecken erkennen (dies gilt auch teilweise für anderen Schnecken in einem Aquarium), ob irgend etwas nicht stimmt.

Starke Vermehrung - zu viel Futter

Sämtliche Schnecken suchen den Weg nach oben/hängen an der Oberfläche - zu wenig Sauerstoff oder Nitrit/Ammonium im Wasser nachweisbar.

 

Zusammengefasst bedeutet dies:

Jedes Aquarium hat nur so viele Schnecken, wie es auch versorgen kann.